Durch Basini gewinnt Törleß eine ästhetische Einstellung gegenüber dem Leben und der Wirklichkeit.
Reaktion auf Misshandlungen Basinis: Ekel und Faszination.
Törleß beteiligt sich verbal an den Quälereien, nach dem sexuellen Verhältnis verhält er sich passiv, bleibt in der Rolle eines unbeteiligten Beobachters, der das interessante Experiment verfolgt, wozu Menschen fähig sind.
Die Prügelszene nach Beinebergs gescheitertem Hypnose-Experiment widert ihn an. Er äußert seinen Unmut (179). Törleß lehnt das Verhalten Reitings und Beinebergs aus ästhetischen Gründen ab, aber auch wegen des fehlenden Erkenntnisgewinns. Ihr Verhalten trägt nicht mehr zu seiner Selbstfindung bei.
Auch Basini braucht er nicht mehr. er weist ihn, als dieser ihn um Hilfe anfleht und sich auf ihre Beziehung beruft, kalt zurück. Grundzug elitärer Unmenschlichkeit.
Mittwoch, 1. April 2009
1.6 Sprachkrise und Motto
Törleß hat das Problem, Empfindungen und Erkenntnisse nicht adäquat ausdrücken zu können (S. Gespräch mit Mathematiklehrer, ..).
Parkerlebnis: Törleß schaut in den Himmel und bemerkt, "wie hoch" (87) er ist -> Offenbarung des verstandesmäßig unerklärlichen Wesen des Unendlichen als eine neue bedrohliche Erfahrungswirklichkeit.
Versagen der Worte. Unendlichkeit des Himmels: erkenntnistheoretische Problematik des Romans.
Schreibversuche: Törleß beginnt seine philosophischen Gedanken aufzuschreiben, um über sich selbst Klarheit zu gewinnen. Aber: "die geschriebenen Worte blieben tot." (131)
Überwindung der Sprachnot: Törleß leidet an der Unzugänglichkeit seines Inneren bis zu dem Punkt, an dem es ihm gelingt, den Lehrern sein Problem ansatzweise darzustellen. Die Überwindung der Sprachnot ist ein Zeichen seiner abgeschlossenen Entwicklungsphase. Törleß hat sich damit abgefunden, dass rationale Sprache nicht fähig ist, Erscheinungen, Erlebnisse und Gedanken mit angemessenen Begriffen wiederzugeben.
Motto: Das vorangestellte Zitat des belgischen Dichters Maurice Maeterlinck verdeutlicht diese skeptische Grundhaltung Musils der Sprache gegenüber. Sprache und Realität verhalten sich zueinander wie das Bruchstück zum Ganzen. Nur eine dichterisch-intuitive Erkenntnishaltung kann zum Ziel führen. Problematisierung der Sprache als Medium der Erkenntnis.
Parkerlebnis: Törleß schaut in den Himmel und bemerkt, "wie hoch" (87) er ist -> Offenbarung des verstandesmäßig unerklärlichen Wesen des Unendlichen als eine neue bedrohliche Erfahrungswirklichkeit.
Versagen der Worte. Unendlichkeit des Himmels: erkenntnistheoretische Problematik des Romans.
Schreibversuche: Törleß beginnt seine philosophischen Gedanken aufzuschreiben, um über sich selbst Klarheit zu gewinnen. Aber: "die geschriebenen Worte blieben tot." (131)
Überwindung der Sprachnot: Törleß leidet an der Unzugänglichkeit seines Inneren bis zu dem Punkt, an dem es ihm gelingt, den Lehrern sein Problem ansatzweise darzustellen. Die Überwindung der Sprachnot ist ein Zeichen seiner abgeschlossenen Entwicklungsphase. Törleß hat sich damit abgefunden, dass rationale Sprache nicht fähig ist, Erscheinungen, Erlebnisse und Gedanken mit angemessenen Begriffen wiederzugeben.
Motto: Das vorangestellte Zitat des belgischen Dichters Maurice Maeterlinck verdeutlicht diese skeptische Grundhaltung Musils der Sprache gegenüber. Sprache und Realität verhalten sich zueinander wie das Bruchstück zum Ganzen. Nur eine dichterisch-intuitive Erkenntnishaltung kann zum Ziel führen. Problematisierung der Sprache als Medium der Erkenntnis.
1.7 Die imaginären Zahlen und Kant
Problem mit den imaginären Zahlen: Mathematik verkörperte für Törleß bisher logische Operationen in einer überschaubaren Welt. Ihm ist nun völlig unverständlich, "dass man mit solchen imaginären oder sonst wie unmöglichen Werten ganz wirklich rechnen kann und zum Schluss ein greifbares Resultat vorhanden ist" (104).
Törleß spürt, dass Definitionen Gefühle nicht ausdrücken können. Er erkennt an diesem mathematischen Problem, dass auch die rationalste Wissenschaft anscheinend nicht frei von irrationalen Elementen ist.
Das Gespräch mit dem Mathematiklehrer ist unbefriedigend. Dieser verweist Törleß am Ende der ergebnislosen Diskussion auf Kant (109), mit der Bemerkung, in dessen philosophischem Werk fänden sich die gleichen "Denknotwendigkeiten" wie in der Mathematik.
Törleß versucht, Kant zu lesen, versteht ihn jedoch nicht.
Traum von Kant: Veranschaulichung von Vernungt und Sinnlichkeit. "Seidene Decke, die über die Haut eines nackten Körpers hinuntergleitete" (121) -> Das Verschwinden der Vernunft entkleidet den Körper seines Schutzes. Unter der Vernunft liegt das Begehren.
Zwiespältige Empfindungen: Törleß sieht noch keinen Zusammenhang zwischen der geistigen und der sinnlichen Welt.
Törleß spürt, dass Definitionen Gefühle nicht ausdrücken können. Er erkennt an diesem mathematischen Problem, dass auch die rationalste Wissenschaft anscheinend nicht frei von irrationalen Elementen ist.
Das Gespräch mit dem Mathematiklehrer ist unbefriedigend. Dieser verweist Törleß am Ende der ergebnislosen Diskussion auf Kant (109), mit der Bemerkung, in dessen philosophischem Werk fänden sich die gleichen "Denknotwendigkeiten" wie in der Mathematik.
Törleß versucht, Kant zu lesen, versteht ihn jedoch nicht.
Traum von Kant: Veranschaulichung von Vernungt und Sinnlichkeit. "Seidene Decke, die über die Haut eines nackten Körpers hinuntergleitete" (121) -> Das Verschwinden der Vernunft entkleidet den Körper seines Schutzes. Unter der Vernunft liegt das Begehren.
Zwiespältige Empfindungen: Törleß sieht noch keinen Zusammenhang zwischen der geistigen und der sinnlichen Welt.
1.8 Exklusivität und Selbstfindung
Törleß hat während des gesamten Geschehens das Gefühl, auf Grund seiner Sensibilität, der "außerordentlichen Empfindlichkeit" (125) seines Wesens, etwas Besonderes zu sein und Welt und Menschen in einmaliger Weise zu sehen. Er glaubt, eine besondere Persönlichkeit zu besitzen. Er hat Empfindungen, Gedanken und Probleme, die andere nicht kennen. Dinge, die ihn befremden, die den anderen alltäglich erscheinen.
Er ist auf die besondere Art seiner Sinnlichkeit stolz.
Törleß muss seine "Verwirrungen" erkenntnistheoretischer, emotionaler, sexueller, ästhetischer und sprachlicher Art überwinden, um sich selbst zu finden.
Rede vor den Lehrern: Die Sprachnot ist weitgehend überwunden. Törleß quälen keine Schuldgefühle Basini gegenüber. Deswegen kann er das Ergebnis seiner Entwicklung in ausgeprägter Rhetorik vortragen. (192)
Törleß hat den Dualismus der beiden Welten überwunden. Er erkennt, dass es allein die "wechselnde seelische Perspektive" (198) ist, die die Welt fragwürdig erscheinen lässt.
Identitätsfindung: Törleß ist in einem Zustand der "kühlen Gelassenheit", als die Mutter ihn abholt. Er hat den Bereich der Sexualität voll in seine Identität integriert und kann nun auch seine Mutter als sexuelles Wesen sehen.
Törleß ist zu einer stark ichbezogenen, selbstbewussten, ästhetischorientierten Persönlichkeit gereift. Er hat seine "Verwirrungen" überwunden. Er fühlte sich im Institut "nicht mehr auf seinem Platz" (197) wegen seiner neuen Erkenntnishaltung und seines Exklusivitätsbewusstseins.
Er ist auf die besondere Art seiner Sinnlichkeit stolz.
Törleß muss seine "Verwirrungen" erkenntnistheoretischer, emotionaler, sexueller, ästhetischer und sprachlicher Art überwinden, um sich selbst zu finden.
Rede vor den Lehrern: Die Sprachnot ist weitgehend überwunden. Törleß quälen keine Schuldgefühle Basini gegenüber. Deswegen kann er das Ergebnis seiner Entwicklung in ausgeprägter Rhetorik vortragen. (192)
Törleß hat den Dualismus der beiden Welten überwunden. Er erkennt, dass es allein die "wechselnde seelische Perspektive" (198) ist, die die Welt fragwürdig erscheinen lässt.
Identitätsfindung: Törleß ist in einem Zustand der "kühlen Gelassenheit", als die Mutter ihn abholt. Er hat den Bereich der Sexualität voll in seine Identität integriert und kann nun auch seine Mutter als sexuelles Wesen sehen.
Törleß ist zu einer stark ichbezogenen, selbstbewussten, ästhetischorientierten Persönlichkeit gereift. Er hat seine "Verwirrungen" überwunden. Er fühlte sich im Institut "nicht mehr auf seinem Platz" (197) wegen seiner neuen Erkenntnishaltung und seines Exklusivitätsbewusstseins.
2.0 Gesellschaftskritik
Der Roman stellt nicht nur Törleß' individuelle Irritationen und Konflikte dar, sondern enthält deutliche gesellschaftskritische Aspekte. Sie beziehen sich hauptsächlich auf die autoritäre Erziehung und ihre Folgen, wie sie das "Konvikt zu W." widerspiegelt.
Bildungsziel ist die Reproduktion der gesellschaftlichen Normen: soldatische und militärische Tugenden, Fixierung auf Autoritätsgläubigkeit, Gehorsam und Pflichterfüllung.
Die meist adlige Herkunft der jungen Menschen spiegelt die Hierarchie in der Führungselite der österreich-ungarischen Monarchie wider. (Beineberg mittlerer Adel, Reiting möglicherweise hoher Adel, Törleß Großbürgertum, Basini adelig, aber wegen wirtschaftlicher Probleme im unteren Bereich der Hierarchie)
Die Abgeschlossenheit von der Gesellschaft ("kleine Stadt [...] weitab von der Residenz") begünstigt negative Entwicklungen.Dazu gehören eine repressiv-autoritäre Erziehung sowie die Nivellierung (Gleichmachung) und Unterdrückung individuellen Denkens und Empfindens.
Tabuisierung der Sexualität: Die Zöglinge werden mit ihren pubertären Problemen alleine gelassen. Die Gesellschaft gibt keine Verhaltenshilfen, sonder reagiert mit Triebkontrolle und -unterdrückung. Die Folgen: "Dort, wo die jungen aufdrängenden Kräfte hinter grauen Mauern festgehalten wurden, stauen sie die Phantasie voll wahllos wollüstiger Bilder, die manchem die Besinnung rauben" (161).
Folgen der Tabuisierung: Spaltung des Frauenbildes. Törleß sieht anfangs seine Mutter als ein völlig anderes Wesen als Bozena. Diese wird als käufliche Sache behandelt und aus der Gesellschaft ausgegrenzt, was ihre entlegene Wohnung verdeutlicht. Erst am Ende des Geschehens gelingt Törleß die Integration der beiden Bereiche und damit die Klärung seiner sinnlichen "Verwirrungen".
Ersatzhandlungen: Aggressionspotenzial in Reiting und Beineberg. Sie übertragen die an sich selbst erfahrenen Erziehungsprinzipien auf Schwächere. Daraus resultiert die sadistisch pervertierte Quälerei Basinis. Basini wird nicht mehr als Mensch, sonder als "Sache" gesehen, die zu homosexuellen Dienstleistungen gezwungen werden kann. Diese "Sache" wird am Ende von der Führungsclique den manipulierten Mitschülern ausgeliefert, wozu alle zu Mittätern werden. Basinis Versklavung, seine Misshandlung und sein Ausschluss aus der Anstalt sind Kritik an einer Gesellschaftsform, die den Menschen den Dingen gleichmacht und die auftretende soziale Konflikte als individuelle Konflikte begreift und damit privatisiert und abschiebt.
Verhalten der Lehrer: Versagen. Törleß beurteilt sie als "ältere Leute" und "lächerliche Figuren" (193), "die von den Zuständen des menschlichen Inneren [...] wenig zu wissen schienen" (193). Ironisch ist von der "ehrbar verkümmerten Erscheinung der meisten Lehrer" die Rede, mit "schmalen Schultern, mit spitzen Bäuchen auf dünnen Beinen und mitAugen, die hinter ihren Brillen harmlos wie Schäfchen weiden" (161).
Diese Harmlosigkeit zeigt sich in ihren schlichten Kommentaren während des Verhörs, als der Direktor und drei Lehrer versuchen, Törleß' Äußerungen in ihre gewohnten Kategorien einzuordnen. In dieser existentiell wichtigen Situation sind die Lehrer ihren Schülern hoffnungslos unterlegen.
Beineberg und Reiting wachsen als intelligente Drahtzieher über ihre hilflosen Erzieher hinaus, indem sie deren moralische Argumente benutzen, um sie zu täuschen. Umdrehung des Sachverhaltes. Verweisung auf Besserungsversuche: Mitleid mit einem fehlbaren jungen Menschen, "gütliche Belehrungen" und Schonungsversuche "aus den edelsten Empfindungen" heraus hätten leider keinen Erfolg gehabt, sonder zu "gemeinstem Hohn" (189) geführt. Deshalb sei es verständlicherweise zu einem "Überschäumen" (189) ihres Verhaltens gekommen.
Der Erzähler beurteilt das Geschehen als "wohlverabredete Komödie", bei der "alle ethischen Töne [...] zur Entschuldigung angeschlagen wurden, welche in den Ohren der Erzieher Wert haben" (189). Das Opfer wird zum Täter, die Täter stellen sich als Opfer dar.
Der Roman schließt pessimistisch: "In der Schule ging alles den gewohnten Gang" (197). Die Erwachsenen haben aus den Vorkommnissen nichts gelernt und sie nicht einmal begriffen. Törleß dagegen flieht aus der Welt gesellschaftlichen Handelns und Misshandelns in ein schöngeistiges, isoliertes und exklusives Künstlerdasein.
Musil hat in Beinebergs und Reitings Verhalten die sexuelle Komponente des Machttriebes verdeutlicht. Auch Törleß sieht den Zusammenhang: Er fordert Basini auf, ihm über Reitings und Beinebergs Tun "alles zu erzählen" (141). Sein Wissen über ihre sexuellen Handlungen verleiht ihm Macht über sie.
In abgeschwächter Form wird dieser Zusammenhang von Sexualität und Macht schon zu Beginn des Geschehens deutlich, als die sozial verachtete Bozena durch ihre käufliche Sexualität Macht über die adligen Zöglinge gewinnt.
Rückblickend gesehen kritisiert der Roman nicht nur das Verhalten der österreichisch-ungarischen Gesellschaft der Jahrhundertwende und ihr Erziehungssystem. Vorgeschichte der Diktaturen des 20. Jahrhunderts. Methodik der Konzentrationslager.
Bildungsziel ist die Reproduktion der gesellschaftlichen Normen: soldatische und militärische Tugenden, Fixierung auf Autoritätsgläubigkeit, Gehorsam und Pflichterfüllung.
Die meist adlige Herkunft der jungen Menschen spiegelt die Hierarchie in der Führungselite der österreich-ungarischen Monarchie wider. (Beineberg mittlerer Adel, Reiting möglicherweise hoher Adel, Törleß Großbürgertum, Basini adelig, aber wegen wirtschaftlicher Probleme im unteren Bereich der Hierarchie)
Die Abgeschlossenheit von der Gesellschaft ("kleine Stadt [...] weitab von der Residenz") begünstigt negative Entwicklungen.Dazu gehören eine repressiv-autoritäre Erziehung sowie die Nivellierung (Gleichmachung) und Unterdrückung individuellen Denkens und Empfindens.
Tabuisierung der Sexualität: Die Zöglinge werden mit ihren pubertären Problemen alleine gelassen. Die Gesellschaft gibt keine Verhaltenshilfen, sonder reagiert mit Triebkontrolle und -unterdrückung. Die Folgen: "Dort, wo die jungen aufdrängenden Kräfte hinter grauen Mauern festgehalten wurden, stauen sie die Phantasie voll wahllos wollüstiger Bilder, die manchem die Besinnung rauben" (161).
Folgen der Tabuisierung: Spaltung des Frauenbildes. Törleß sieht anfangs seine Mutter als ein völlig anderes Wesen als Bozena. Diese wird als käufliche Sache behandelt und aus der Gesellschaft ausgegrenzt, was ihre entlegene Wohnung verdeutlicht. Erst am Ende des Geschehens gelingt Törleß die Integration der beiden Bereiche und damit die Klärung seiner sinnlichen "Verwirrungen".
Ersatzhandlungen: Aggressionspotenzial in Reiting und Beineberg. Sie übertragen die an sich selbst erfahrenen Erziehungsprinzipien auf Schwächere. Daraus resultiert die sadistisch pervertierte Quälerei Basinis. Basini wird nicht mehr als Mensch, sonder als "Sache" gesehen, die zu homosexuellen Dienstleistungen gezwungen werden kann. Diese "Sache" wird am Ende von der Führungsclique den manipulierten Mitschülern ausgeliefert, wozu alle zu Mittätern werden. Basinis Versklavung, seine Misshandlung und sein Ausschluss aus der Anstalt sind Kritik an einer Gesellschaftsform, die den Menschen den Dingen gleichmacht und die auftretende soziale Konflikte als individuelle Konflikte begreift und damit privatisiert und abschiebt.
Verhalten der Lehrer: Versagen. Törleß beurteilt sie als "ältere Leute" und "lächerliche Figuren" (193), "die von den Zuständen des menschlichen Inneren [...] wenig zu wissen schienen" (193). Ironisch ist von der "ehrbar verkümmerten Erscheinung der meisten Lehrer" die Rede, mit "schmalen Schultern, mit spitzen Bäuchen auf dünnen Beinen und mitAugen, die hinter ihren Brillen harmlos wie Schäfchen weiden" (161).
Diese Harmlosigkeit zeigt sich in ihren schlichten Kommentaren während des Verhörs, als der Direktor und drei Lehrer versuchen, Törleß' Äußerungen in ihre gewohnten Kategorien einzuordnen. In dieser existentiell wichtigen Situation sind die Lehrer ihren Schülern hoffnungslos unterlegen.
Beineberg und Reiting wachsen als intelligente Drahtzieher über ihre hilflosen Erzieher hinaus, indem sie deren moralische Argumente benutzen, um sie zu täuschen. Umdrehung des Sachverhaltes. Verweisung auf Besserungsversuche: Mitleid mit einem fehlbaren jungen Menschen, "gütliche Belehrungen" und Schonungsversuche "aus den edelsten Empfindungen" heraus hätten leider keinen Erfolg gehabt, sonder zu "gemeinstem Hohn" (189) geführt. Deshalb sei es verständlicherweise zu einem "Überschäumen" (189) ihres Verhaltens gekommen.
Der Erzähler beurteilt das Geschehen als "wohlverabredete Komödie", bei der "alle ethischen Töne [...] zur Entschuldigung angeschlagen wurden, welche in den Ohren der Erzieher Wert haben" (189). Das Opfer wird zum Täter, die Täter stellen sich als Opfer dar.
Der Roman schließt pessimistisch: "In der Schule ging alles den gewohnten Gang" (197). Die Erwachsenen haben aus den Vorkommnissen nichts gelernt und sie nicht einmal begriffen. Törleß dagegen flieht aus der Welt gesellschaftlichen Handelns und Misshandelns in ein schöngeistiges, isoliertes und exklusives Künstlerdasein.
Musil hat in Beinebergs und Reitings Verhalten die sexuelle Komponente des Machttriebes verdeutlicht. Auch Törleß sieht den Zusammenhang: Er fordert Basini auf, ihm über Reitings und Beinebergs Tun "alles zu erzählen" (141). Sein Wissen über ihre sexuellen Handlungen verleiht ihm Macht über sie.
In abgeschwächter Form wird dieser Zusammenhang von Sexualität und Macht schon zu Beginn des Geschehens deutlich, als die sozial verachtete Bozena durch ihre käufliche Sexualität Macht über die adligen Zöglinge gewinnt.
Rückblickend gesehen kritisiert der Roman nicht nur das Verhalten der österreichisch-ungarischen Gesellschaft der Jahrhundertwende und ihr Erziehungssystem. Vorgeschichte der Diktaturen des 20. Jahrhunderts. Methodik der Konzentrationslager.
Sonntag, 1. März 2009
PERSONEN UND PERSONENKONSTELLATION
1.0 Personen
1.1 Törleß
2.1 Die Gruppe
1.1 Törleß
- Charakterisierung
- Zitateliste
- Charakterisierung
- Zitateliste
- Beziehung zu Törleß
- Charakterisierung
- Zitateliste
- Beziehung zu Törleß
- Charakterisierung
- Zitateliste
- Beziehung zu Törleß
- Mathelehrer
- Bozena
- Eltern
- Prinz
2.1 Die Gruppe
1.0 Personen
Alle Personen sind auf Törleß "zugeschnitten". Sie haben somit eine funktionale statt individuelle Bedeutung. Die Charakterzüge der anderen Personen liegen im Zusammenhang mit Törleß' Entwicklungsstufe.
Beineberg teilt Törleß' Neigung zur Irrationalität, Reiting den Wunsch nach Macht. Die beiden Schüler stellen eine Überspitzung jeweils eines dominierenden Charakterzuges von Törleß dar.
Basini dient zur Erkenntnis über die Auswirkungen der Passivität im Extremfall. Törleß' Persönlichkeit ist noch nicht ausgereift, d.h. sie verändert sich im Laufe der Erzählung. Die Charaktere von Beineberg, Reiting und Basini sind dagegen statisch angelegt, sie entwickeln sich nicht.
Beineberg teilt Törleß' Neigung zur Irrationalität, Reiting den Wunsch nach Macht. Die beiden Schüler stellen eine Überspitzung jeweils eines dominierenden Charakterzuges von Törleß dar.
Basini dient zur Erkenntnis über die Auswirkungen der Passivität im Extremfall. Törleß' Persönlichkeit ist noch nicht ausgereift, d.h. sie verändert sich im Laufe der Erzählung. Die Charaktere von Beineberg, Reiting und Basini sind dagegen statisch angelegt, sie entwickeln sich nicht.
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