Der Roman stellt nicht nur Törleß' individuelle Irritationen und Konflikte dar, sondern enthält deutliche gesellschaftskritische Aspekte. Sie beziehen sich hauptsächlich auf die autoritäre Erziehung und ihre Folgen, wie sie das "Konvikt zu W." widerspiegelt.
Bildungsziel ist die Reproduktion der gesellschaftlichen Normen: soldatische und militärische Tugenden, Fixierung auf Autoritätsgläubigkeit, Gehorsam und Pflichterfüllung.
Die meist adlige Herkunft der jungen Menschen spiegelt die Hierarchie in der Führungselite der österreich-ungarischen Monarchie wider. (Beineberg mittlerer Adel, Reiting möglicherweise hoher Adel, Törleß Großbürgertum, Basini adelig, aber wegen wirtschaftlicher Probleme im unteren Bereich der Hierarchie)
Die Abgeschlossenheit von der Gesellschaft ("kleine Stadt [...] weitab von der Residenz") begünstigt negative Entwicklungen.Dazu gehören eine repressiv-autoritäre Erziehung sowie die Nivellierung (Gleichmachung) und Unterdrückung individuellen Denkens und Empfindens.
Tabuisierung der Sexualität: Die Zöglinge werden mit ihren pubertären Problemen alleine gelassen. Die Gesellschaft gibt keine Verhaltenshilfen, sonder reagiert mit Triebkontrolle und -unterdrückung. Die Folgen: "Dort, wo die jungen aufdrängenden Kräfte hinter grauen Mauern festgehalten wurden, stauen sie die Phantasie voll wahllos wollüstiger Bilder, die manchem die Besinnung rauben" (161).
Folgen der Tabuisierung: Spaltung des Frauenbildes. Törleß sieht anfangs seine Mutter als ein völlig anderes Wesen als Bozena. Diese wird als käufliche Sache behandelt und aus der Gesellschaft ausgegrenzt, was ihre entlegene Wohnung verdeutlicht. Erst am Ende des Geschehens gelingt Törleß die Integration der beiden Bereiche und damit die Klärung seiner sinnlichen "Verwirrungen".
Ersatzhandlungen: Aggressionspotenzial in Reiting und Beineberg. Sie übertragen die an sich selbst erfahrenen Erziehungsprinzipien auf Schwächere. Daraus resultiert die sadistisch pervertierte Quälerei Basinis. Basini wird nicht mehr als Mensch, sonder als "Sache" gesehen, die zu homosexuellen Dienstleistungen gezwungen werden kann. Diese "Sache" wird am Ende von der Führungsclique den manipulierten Mitschülern ausgeliefert, wozu alle zu Mittätern werden. Basinis Versklavung, seine Misshandlung und sein Ausschluss aus der Anstalt sind Kritik an einer Gesellschaftsform, die den Menschen den Dingen gleichmacht und die auftretende soziale Konflikte als individuelle Konflikte begreift und damit privatisiert und abschiebt.
Verhalten der Lehrer: Versagen. Törleß beurteilt sie als "ältere Leute" und "lächerliche Figuren" (193), "die von den Zuständen des menschlichen Inneren [...] wenig zu wissen schienen" (193). Ironisch ist von der "ehrbar verkümmerten Erscheinung der meisten Lehrer" die Rede, mit "schmalen Schultern, mit spitzen Bäuchen auf dünnen Beinen und mitAugen, die hinter ihren Brillen harmlos wie Schäfchen weiden" (161).
Diese Harmlosigkeit zeigt sich in ihren schlichten Kommentaren während des Verhörs, als der Direktor und drei Lehrer versuchen, Törleß' Äußerungen in ihre gewohnten Kategorien einzuordnen. In dieser existentiell wichtigen Situation sind die Lehrer ihren Schülern hoffnungslos unterlegen.
Beineberg und Reiting wachsen als intelligente Drahtzieher über ihre hilflosen Erzieher hinaus, indem sie deren moralische Argumente benutzen, um sie zu täuschen. Umdrehung des Sachverhaltes. Verweisung auf Besserungsversuche: Mitleid mit einem fehlbaren jungen Menschen, "gütliche Belehrungen" und Schonungsversuche "aus den edelsten Empfindungen" heraus hätten leider keinen Erfolg gehabt, sonder zu "gemeinstem Hohn" (189) geführt. Deshalb sei es verständlicherweise zu einem "Überschäumen" (189) ihres Verhaltens gekommen.
Der Erzähler beurteilt das Geschehen als "wohlverabredete Komödie", bei der "alle ethischen Töne [...] zur Entschuldigung angeschlagen wurden, welche in den Ohren der Erzieher Wert haben" (189). Das Opfer wird zum Täter, die Täter stellen sich als Opfer dar.
Der Roman schließt pessimistisch: "In der Schule ging alles den gewohnten Gang" (197). Die Erwachsenen haben aus den Vorkommnissen nichts gelernt und sie nicht einmal begriffen. Törleß dagegen flieht aus der Welt gesellschaftlichen Handelns und Misshandelns in ein schöngeistiges, isoliertes und exklusives Künstlerdasein.
Musil hat in Beinebergs und Reitings Verhalten die sexuelle Komponente des Machttriebes verdeutlicht. Auch Törleß sieht den Zusammenhang: Er fordert Basini auf, ihm über Reitings und Beinebergs Tun "alles zu erzählen" (141). Sein Wissen über ihre sexuellen Handlungen verleiht ihm Macht über sie.
In abgeschwächter Form wird dieser Zusammenhang von Sexualität und Macht schon zu Beginn des Geschehens deutlich, als die sozial verachtete Bozena durch ihre käufliche Sexualität Macht über die adligen Zöglinge gewinnt.
Rückblickend gesehen kritisiert der Roman nicht nur das Verhalten der österreichisch-ungarischen Gesellschaft der Jahrhundertwende und ihr Erziehungssystem. Vorgeschichte der Diktaturen des 20. Jahrhunderts. Methodik der Konzentrationslager.
Mittwoch, 1. April 2009
Sonntag, 1. März 2009
PERSONEN UND PERSONENKONSTELLATION
1.0 Personen
1.1 Törleß
2.1 Die Gruppe
1.1 Törleß
- Charakterisierung
- Zitateliste
- Charakterisierung
- Zitateliste
- Beziehung zu Törleß
- Charakterisierung
- Zitateliste
- Beziehung zu Törleß
- Charakterisierung
- Zitateliste
- Beziehung zu Törleß
- Mathelehrer
- Bozena
- Eltern
- Prinz
2.1 Die Gruppe
1.0 Personen
Alle Personen sind auf Törleß "zugeschnitten". Sie haben somit eine funktionale statt individuelle Bedeutung. Die Charakterzüge der anderen Personen liegen im Zusammenhang mit Törleß' Entwicklungsstufe.
Beineberg teilt Törleß' Neigung zur Irrationalität, Reiting den Wunsch nach Macht. Die beiden Schüler stellen eine Überspitzung jeweils eines dominierenden Charakterzuges von Törleß dar.
Basini dient zur Erkenntnis über die Auswirkungen der Passivität im Extremfall. Törleß' Persönlichkeit ist noch nicht ausgereift, d.h. sie verändert sich im Laufe der Erzählung. Die Charaktere von Beineberg, Reiting und Basini sind dagegen statisch angelegt, sie entwickeln sich nicht.
Beineberg teilt Törleß' Neigung zur Irrationalität, Reiting den Wunsch nach Macht. Die beiden Schüler stellen eine Überspitzung jeweils eines dominierenden Charakterzuges von Törleß dar.
Basini dient zur Erkenntnis über die Auswirkungen der Passivität im Extremfall. Törleß' Persönlichkeit ist noch nicht ausgereift, d.h. sie verändert sich im Laufe der Erzählung. Die Charaktere von Beineberg, Reiting und Basini sind dagegen statisch angelegt, sie entwickeln sich nicht.
1.1 Törleß
1. Charakterisierung
Törleß ist das einzige Kind einer wohlhabenden, bürgerlichen Familie. Sein Vater ist Hofrat.
Zum Zeitpunkt des Geschehens ist Törleß 16 Jahre alt. Sein Vorname wird nie genannt. Er ist seit vier Jahren Schüler des berühmten Konvikts zu W. in Österreich, auf das er auf seinen eigenen Wunsch hin geschickt wird. Dieses Verlangen verdeutlicht seinen Ehrgeiz.(S. 9)
Seit seinem Eintritt in das Internat litt Törleß an starkem Heimweh und gewöhnte sich an, jeden Tag einen Brief nach Hause zu schreiben. Den Schmerz, den das Heimweh verursachte, empfand er allerdings nicht als störend, sondern als lustvoll. So wurden die Eltern mit der Zeit als "Gegenstand der Sehnsucht" nicht mehr benötigt; der Schmerz wurde zum Selbstzweck. (S. 10) Auf diese Weise fühlte Törleß sein eigenes Ich stärker. Doch mit der Zeit ebbte das Gefühl des Schmerzes ab und wurde durch eine für Törleß unterträgliche Leere ersetzt. Er suchte nun nach einem neuen erfüllenden Zweck. (S. 11f) Zu dieser Zeit schloss er Freundschaft mit einem sensiblen und sehr religiösen Prinzen. Diese Verbindung war für Törleß ein "Genuss psychologischer Art". Er legt Wert auf rationale Begründungen. So führte er den Bruch der Freundschaft herbei, als er die Religiosität des Prinzen, die er in seiner Rationalität nicht begriff, mit dem Verstand angriff. (S. 12ff.) Nach dem Ende dieser Freundschaft fühlte Törleß sich noch leerer als zuvor. Aus Langeweile und Unsicherheit schloss er sich den beiden älteren Mitschülern Reiting und Beineberg an. Zu diesem Zeitpunkt setzt die Erzählung ein.
Törleß ist unsicher und empfindet sich selbst als unfertig. Es wird beschrieben, dass er sich von Büchern beeinflussen ließ und verhielt sich zeitweise dementsprechend. Eine dauerhafte Prägung schein jedoch nichts dergleichen zu bewirken: "Es schein damals, dass er überhaupt keinen Charakter habe.", S.16. Er schließt sich Reiting und Beineberg an, weil ihm deren Wildheit imponiert. Er spielt die Rolle des Mitläufers. (S. 17f.)
Törleß genügt sich selber nicht. Er fühlt sich oft einsam und erträgt diesen Zustand nur schwer. Er sieht seine Tage zusammenhanglos und empfindet ein Gefühl der Gleichgültigkeit. Er kann sich für nichts begeistern. So erklärt sich auch die Rolle des Mitläufers, die er übernommen hat. Da er von sich selbst nichts nach außen trägt, was sonderlich markant und von seiner eigenen Personen geprägt ist, sucht er sich andere, die erfahrener und deren Charaktere schon ausgereifter sind, um durch sie das zu erleben, wozu er alleine nicht imstande ist.
In diesem Alter macht Törleß seine ersten sexuellen Erfahrungen. Er fühlt sich von der Sexualität sowohl angezogen als auch abgestoßen. Das Gefühl der Einsamkeit hängt mit einer Kindheitserinnerung zusammen. Das Kindermädchen ließ ihn im Wald allein zurück. Auf diese Weise sieht Törleß die Weiblichkeit immer im Zusammenhang mit der Einsamkeit.
Er empfindet eine Trennlinie zwischen sich und den um ihn herum geschehenen Dingen. (S.34)
Durch die Besuche bei Bozena, die verboten sind und ihn der Angst wegen reizen, wird sein Gefühl des Ich-Sein verstärkt. Sexualität ist für ihn insofern verstörend, als dass er durch die Sexualität der Eltern entstanden ist. (vor allem die Sexualität der Mutter ist wichtig).
Verhältnis zu Basini: Basini ist das Objekt, an dem Törleß seine Sinnlichkeit erfährt und sich selbst zu erkenne versucht. Er kann nicht ausschließen, dass er unter bestimmten Umständen nicht genauso gehandelt hätte.
Zusammenfassung:
intelligent; sensibel; starke Sinnlichkeit; ist nicht oberflächlich; hat Probleme, die von den anderen nicht verstanden werden; spürt die Brüchigkeit von Moral und Gesellschaft und die beschränkte Erkenntnisfähigkeit des Verstandes; hat kein Mitleid mit Basini, sondern benutzt ihn als Forschungsobjekt
er ist Mitläufer aber zeitweise auch Mittäter. er "übt" sich nicht an Basini, sondern verfällt ihm vorübergehend erotisch als der Verkörperung der dunklen und passiven Seite seines Wesens, bevor er sich von ihm löst und seine Identität findet.
2. Zitatliste
Törleß ist das einzige Kind einer wohlhabenden, bürgerlichen Familie. Sein Vater ist Hofrat.
Zum Zeitpunkt des Geschehens ist Törleß 16 Jahre alt. Sein Vorname wird nie genannt. Er ist seit vier Jahren Schüler des berühmten Konvikts zu W. in Österreich, auf das er auf seinen eigenen Wunsch hin geschickt wird. Dieses Verlangen verdeutlicht seinen Ehrgeiz.(S. 9)
Seit seinem Eintritt in das Internat litt Törleß an starkem Heimweh und gewöhnte sich an, jeden Tag einen Brief nach Hause zu schreiben. Den Schmerz, den das Heimweh verursachte, empfand er allerdings nicht als störend, sondern als lustvoll. So wurden die Eltern mit der Zeit als "Gegenstand der Sehnsucht" nicht mehr benötigt; der Schmerz wurde zum Selbstzweck. (S. 10) Auf diese Weise fühlte Törleß sein eigenes Ich stärker. Doch mit der Zeit ebbte das Gefühl des Schmerzes ab und wurde durch eine für Törleß unterträgliche Leere ersetzt. Er suchte nun nach einem neuen erfüllenden Zweck. (S. 11f) Zu dieser Zeit schloss er Freundschaft mit einem sensiblen und sehr religiösen Prinzen. Diese Verbindung war für Törleß ein "Genuss psychologischer Art". Er legt Wert auf rationale Begründungen. So führte er den Bruch der Freundschaft herbei, als er die Religiosität des Prinzen, die er in seiner Rationalität nicht begriff, mit dem Verstand angriff. (S. 12ff.) Nach dem Ende dieser Freundschaft fühlte Törleß sich noch leerer als zuvor. Aus Langeweile und Unsicherheit schloss er sich den beiden älteren Mitschülern Reiting und Beineberg an. Zu diesem Zeitpunkt setzt die Erzählung ein.
Törleß ist unsicher und empfindet sich selbst als unfertig. Es wird beschrieben, dass er sich von Büchern beeinflussen ließ und verhielt sich zeitweise dementsprechend. Eine dauerhafte Prägung schein jedoch nichts dergleichen zu bewirken: "Es schein damals, dass er überhaupt keinen Charakter habe.", S.16. Er schließt sich Reiting und Beineberg an, weil ihm deren Wildheit imponiert. Er spielt die Rolle des Mitläufers. (S. 17f.)
Törleß genügt sich selber nicht. Er fühlt sich oft einsam und erträgt diesen Zustand nur schwer. Er sieht seine Tage zusammenhanglos und empfindet ein Gefühl der Gleichgültigkeit. Er kann sich für nichts begeistern. So erklärt sich auch die Rolle des Mitläufers, die er übernommen hat. Da er von sich selbst nichts nach außen trägt, was sonderlich markant und von seiner eigenen Personen geprägt ist, sucht er sich andere, die erfahrener und deren Charaktere schon ausgereifter sind, um durch sie das zu erleben, wozu er alleine nicht imstande ist.
In diesem Alter macht Törleß seine ersten sexuellen Erfahrungen. Er fühlt sich von der Sexualität sowohl angezogen als auch abgestoßen. Das Gefühl der Einsamkeit hängt mit einer Kindheitserinnerung zusammen. Das Kindermädchen ließ ihn im Wald allein zurück. Auf diese Weise sieht Törleß die Weiblichkeit immer im Zusammenhang mit der Einsamkeit.
Er empfindet eine Trennlinie zwischen sich und den um ihn herum geschehenen Dingen. (S.34)
Durch die Besuche bei Bozena, die verboten sind und ihn der Angst wegen reizen, wird sein Gefühl des Ich-Sein verstärkt. Sexualität ist für ihn insofern verstörend, als dass er durch die Sexualität der Eltern entstanden ist. (vor allem die Sexualität der Mutter ist wichtig).
Verhältnis zu Basini: Basini ist das Objekt, an dem Törleß seine Sinnlichkeit erfährt und sich selbst zu erkenne versucht. Er kann nicht ausschließen, dass er unter bestimmten Umständen nicht genauso gehandelt hätte.
Zusammenfassung:
intelligent; sensibel; starke Sinnlichkeit; ist nicht oberflächlich; hat Probleme, die von den anderen nicht verstanden werden; spürt die Brüchigkeit von Moral und Gesellschaft und die beschränkte Erkenntnisfähigkeit des Verstandes; hat kein Mitleid mit Basini, sondern benutzt ihn als Forschungsobjekt
er ist Mitläufer aber zeitweise auch Mittäter. er "übt" sich nicht an Basini, sondern verfällt ihm vorübergehend erotisch als der Verkörperung der dunklen und passiven Seite seines Wesens, bevor er sich von ihm löst und seine Identität findet.
2. Zitatliste
1.2 Beineberg
1. Charakterisierung:
Beineberg ist stark vom Denken seines Vaters beeinflusst, der als Offizier in Indien gedient hatte. Dessen buddhistisch inspirierte Vorstellungen, Gedanken und Idenn hat er unkritisch übernommen. Er hegt die phantastische Hoffnung, "sich mittels ungewöhnlicher seelischer Kräfte eine Herrschaft sichern zu können" (26).
Beineberg trägt Törleß mehrmals sein "Konglomerat von Gedanken vor, in dem sich in verschwommener Form fernöstlich-mystisches Seelenwanderungs-Denken mit dem Glauben an Hypnose sowie mit Erinnerungen an Nietzsches Idee des Übermenschen und an die von ihm bekämpfte christliche Moral vermischt".
Erkennt, dass Wissenschaft ihre Grenzen hat und dass es etwas Wesentliches gibt, wofür sie nicht zuständig ist.
Beineberg geht davon aus, dass der Stärkere das Recht hat, den Schwächeren zu unterdrücken.
Der Schwächere ist Basini, an dem er sich erproben will und der deshalb für ihn experimentellen Wert hat. Er ist das Objekt, an dem Beineberg seine sadistischen Triebe befriedigen, Macht ausüben kann. Er gibt vor, ermüsse Basinis Seele hervorlocken und sein eigenes Mitleid bekämpfen. Er will Basini "quälen" (82) und "täglich an ihm [...] lernen, dass das bloße Menschsein gar nichts bedeutet, - eine bloße äffende, äußerliche Ähnlichkeit" (85).
Diese Verhaltensweise hat einen Höhepunkt nach dem gescheiterten Hypnose-Experiment, als er sich "an Basini müde" schlägt (174).
Beineberg stellt seine verworrenen Gedanken nicht in Frage, nimmt das Recht zum Verbrechen für sich in Anspruch und behält dabei sein gutes Gewissen.
Er benutzt Basini auch, um seine sexuellen Triebe zu befriedigen. Dabei versucht er sein Verhalten, das immer mit der Anwendung von Gewalt endet, mit seiner abstrusen Philosophie zu begründen (vgl. 144). (Verschleierung seines Sexualtriebes -> ideologische Funktion)
2. Zitateliste
3. Beziehung zu Törleß:
Törleß' Haltung gegenüber Beineberg ist ambivalent. Einerseits empfindet er ihm gegenüber einen "merkwürdigen Widerwillen" (26). Er spürt eine verkrampfte Triebhaftigkeit hinter scheinbar selbstsicherem Hochmut, die ihn abstößt.
Andererseits verkörpert Beineberg Wesenszüge, die auch in Törleß liegen. Auch Beineberg meint, "dass die Sinnlichkeit vielleicht das richtige Tor" zur Erkenntnis sein könnte.
Die philosophisch-ideologischen Gespräche (s.o.) mit Beineberg berühren Törleß kaum.
Bei intellektuellen Problemen ist Beineberg jedoch der Einzige, "mit dem er über etwas Derartiges sprechen konnte" (103). (Imaginäre Zahlen,ü..)
Zu Beginn des Geschehens hat Törleß Angst vor Beineberg und seinen Ideen. Er erscheint ihm "wie eine unheimliche, große, ruhig in ihrem Netz lauernde Spinne" (80). Gegen Ende wagt er jedoch gegen ihn Widerstand und zeigt dadurch seine gefestigte Identität und seine neu errungene Selbstständigkeit (vgl. 179).
Unterschiede:
Beide bemühen sich, rationale Zusammenhänge hinter der befremdlichen Wirklichkeit zu erfassen. Beineberg verwirft dabei jedoch emphatisch (mit Nachdruck) jede naturwissenschaftlich begründete Weltanschauung: "Täuschung ist sie, Schwindel ist sie, Schwachköpfigkeit! Blutarmut!" (116).
Törleß will Klarheit über seine Gedanken und Gefühle, Beineberg will mit Menschen experimentieren und dadurch Macht gewinnen.
Beineberg ist stark vom Denken seines Vaters beeinflusst, der als Offizier in Indien gedient hatte. Dessen buddhistisch inspirierte Vorstellungen, Gedanken und Idenn hat er unkritisch übernommen. Er hegt die phantastische Hoffnung, "sich mittels ungewöhnlicher seelischer Kräfte eine Herrschaft sichern zu können" (26).
Beineberg trägt Törleß mehrmals sein "Konglomerat von Gedanken vor, in dem sich in verschwommener Form fernöstlich-mystisches Seelenwanderungs-Denken mit dem Glauben an Hypnose sowie mit Erinnerungen an Nietzsches Idee des Übermenschen und an die von ihm bekämpfte christliche Moral vermischt".
Erkennt, dass Wissenschaft ihre Grenzen hat und dass es etwas Wesentliches gibt, wofür sie nicht zuständig ist.
Beineberg geht davon aus, dass der Stärkere das Recht hat, den Schwächeren zu unterdrücken.
Der Schwächere ist Basini, an dem er sich erproben will und der deshalb für ihn experimentellen Wert hat. Er ist das Objekt, an dem Beineberg seine sadistischen Triebe befriedigen, Macht ausüben kann. Er gibt vor, ermüsse Basinis Seele hervorlocken und sein eigenes Mitleid bekämpfen. Er will Basini "quälen" (82) und "täglich an ihm [...] lernen, dass das bloße Menschsein gar nichts bedeutet, - eine bloße äffende, äußerliche Ähnlichkeit" (85).
Diese Verhaltensweise hat einen Höhepunkt nach dem gescheiterten Hypnose-Experiment, als er sich "an Basini müde" schlägt (174).
Beineberg stellt seine verworrenen Gedanken nicht in Frage, nimmt das Recht zum Verbrechen für sich in Anspruch und behält dabei sein gutes Gewissen.
Er benutzt Basini auch, um seine sexuellen Triebe zu befriedigen. Dabei versucht er sein Verhalten, das immer mit der Anwendung von Gewalt endet, mit seiner abstrusen Philosophie zu begründen (vgl. 144). (Verschleierung seines Sexualtriebes -> ideologische Funktion)
2. Zitateliste
3. Beziehung zu Törleß:
Törleß' Haltung gegenüber Beineberg ist ambivalent. Einerseits empfindet er ihm gegenüber einen "merkwürdigen Widerwillen" (26). Er spürt eine verkrampfte Triebhaftigkeit hinter scheinbar selbstsicherem Hochmut, die ihn abstößt.
Andererseits verkörpert Beineberg Wesenszüge, die auch in Törleß liegen. Auch Beineberg meint, "dass die Sinnlichkeit vielleicht das richtige Tor" zur Erkenntnis sein könnte.
Die philosophisch-ideologischen Gespräche (s.o.) mit Beineberg berühren Törleß kaum.
Bei intellektuellen Problemen ist Beineberg jedoch der Einzige, "mit dem er über etwas Derartiges sprechen konnte" (103). (Imaginäre Zahlen,ü..)
Zu Beginn des Geschehens hat Törleß Angst vor Beineberg und seinen Ideen. Er erscheint ihm "wie eine unheimliche, große, ruhig in ihrem Netz lauernde Spinne" (80). Gegen Ende wagt er jedoch gegen ihn Widerstand und zeigt dadurch seine gefestigte Identität und seine neu errungene Selbstständigkeit (vgl. 179).
Unterschiede:
Beide bemühen sich, rationale Zusammenhänge hinter der befremdlichen Wirklichkeit zu erfassen. Beineberg verwirft dabei jedoch emphatisch (mit Nachdruck) jede naturwissenschaftlich begründete Weltanschauung: "Täuschung ist sie, Schwindel ist sie, Schwachköpfigkeit! Blutarmut!" (116).
Törleß will Klarheit über seine Gedanken und Gefühle, Beineberg will mit Menschen experimentieren und dadurch Macht gewinnen.
1.3 Reiting
1. Charakterisierung:
Reiting ist ein intriganter, rücksichtsloser Tyrann. Er liebt Manipulation und Machtausübung gegenüber Menschen. Er beherrscht die öffentliche Meinung und kann die Doppelexistenz, die er mit seinen Freunden führt, geschickt tarnen.
Er rechnet mit Enthüllungen seiner Mutter bezüglich einer hohen Herkunft, will Offizier werden und bereitet sich auf eine Rolle in der Politik vor.
Reitings unideologische Bosheit wirkt auf den Leser fast sympathisch (im Gegensatz zu Beinebergs sexuellen Ausschreitungen und philosophisch verbrämten Sadismus), zumal er über ein gewinnendes Wesen verfügt, seine schlimmen Unternehmungen "mit liebenswürdigen Lachen" durchführt und sich entschuldigt: "Ich übe mich dabei" (55).
Er will seine Macht erproben (er will sehen "wie weit das geht", 163. s.u.) und liebt Massenbewegungen (163).
Inszeniert den Auftritt am Schluss, in dem die Schüler "alle Schuld auf Basini" wälzen (188) und ihre Lehrer hinters Licht führen.
2. Zitateliste:
Machthungriger Intrigant mit faschistoiden Zügen: "Er war ein Tyrann und unnachsichtig gegen den, der sich ihm widersetzte. Sein Anhang wechselte von Tag zu Tag, aber immer war die Majorität auf seiner Seite" (56).
Er "kannte kein größeres Vergnügen als Menschen gegeneinander zu hetzen, den einen mit Hilfe des anderen unterzukriegen" (55).
3. Beziehung zu Törleß:
4. Verhältnis zu Beineberg:
Nach anfänglichen Auseinandersetzung herrscht zwischen Reiting und Beineberg eine Art Burgfriede. Jeder erkennt die Fähigkeiten des anderen an, sie halten aus "gemeinschaftlichem Interesse" (56) zusammen und haben sich stillschweigend auf eine gemeinsame Herrschaft über die Mitschüler geeinigt.
5. Verhältnis zu Basini:
Reiting ist derjenige, der Basini des Diebstahls überführt. Für ihn ist die Tat selbst nicht von großer Bedeutung. Wichtig ist ihm allein, dass er dadurch Basini in der Hand hat, an ihm seine Macht erproben kann und das "Vergnügen" (68) hat, ihn auf immer andere Weise zu misshandeln, allerdings ohne Beinebergs ideologischen Überbau.
Er wird mit der "Überwachung" (70) der Einhaltung der Bedingungen beauftragt, die man Basini mitteilt, und er spielt diese Machtposition hemmungslos aus.
Im Gegensatz zu Beinebergs pseudophilosophischen "Umweg" (144) hat sich Reiting Basini sexuell direkt genähert. Auch er hat danach Gewalt angewendet, weil er sich einer "Sache" (143) gegenüber nicht zu genieren braucht.
Nachdem sich Basini unter Törleß' Einfluss etwas von Reiting gelöst hat, will dieser ihn "noch weiter demütigen und herunterdrücken" (163). Er denkt sich raffinierte Folterpraktiken aus und will sehen, "wie weit das geht" (163).
Von ihm stammt die Idee, Basini der Klasse auszuliefern.
Reiting ist ein intriganter, rücksichtsloser Tyrann. Er liebt Manipulation und Machtausübung gegenüber Menschen. Er beherrscht die öffentliche Meinung und kann die Doppelexistenz, die er mit seinen Freunden führt, geschickt tarnen.
Er rechnet mit Enthüllungen seiner Mutter bezüglich einer hohen Herkunft, will Offizier werden und bereitet sich auf eine Rolle in der Politik vor.
Reitings unideologische Bosheit wirkt auf den Leser fast sympathisch (im Gegensatz zu Beinebergs sexuellen Ausschreitungen und philosophisch verbrämten Sadismus), zumal er über ein gewinnendes Wesen verfügt, seine schlimmen Unternehmungen "mit liebenswürdigen Lachen" durchführt und sich entschuldigt: "Ich übe mich dabei" (55).
Er will seine Macht erproben (er will sehen "wie weit das geht", 163. s.u.) und liebt Massenbewegungen (163).
Inszeniert den Auftritt am Schluss, in dem die Schüler "alle Schuld auf Basini" wälzen (188) und ihre Lehrer hinters Licht führen.
2. Zitateliste:
Machthungriger Intrigant mit faschistoiden Zügen: "Er war ein Tyrann und unnachsichtig gegen den, der sich ihm widersetzte. Sein Anhang wechselte von Tag zu Tag, aber immer war die Majorität auf seiner Seite" (56).
Er "kannte kein größeres Vergnügen als Menschen gegeneinander zu hetzen, den einen mit Hilfe des anderen unterzukriegen" (55).
3. Beziehung zu Törleß:
4. Verhältnis zu Beineberg:
Nach anfänglichen Auseinandersetzung herrscht zwischen Reiting und Beineberg eine Art Burgfriede. Jeder erkennt die Fähigkeiten des anderen an, sie halten aus "gemeinschaftlichem Interesse" (56) zusammen und haben sich stillschweigend auf eine gemeinsame Herrschaft über die Mitschüler geeinigt.
5. Verhältnis zu Basini:
Reiting ist derjenige, der Basini des Diebstahls überführt. Für ihn ist die Tat selbst nicht von großer Bedeutung. Wichtig ist ihm allein, dass er dadurch Basini in der Hand hat, an ihm seine Macht erproben kann und das "Vergnügen" (68) hat, ihn auf immer andere Weise zu misshandeln, allerdings ohne Beinebergs ideologischen Überbau.
Er wird mit der "Überwachung" (70) der Einhaltung der Bedingungen beauftragt, die man Basini mitteilt, und er spielt diese Machtposition hemmungslos aus.
Im Gegensatz zu Beinebergs pseudophilosophischen "Umweg" (144) hat sich Reiting Basini sexuell direkt genähert. Auch er hat danach Gewalt angewendet, weil er sich einer "Sache" (143) gegenüber nicht zu genieren braucht.
Nachdem sich Basini unter Törleß' Einfluss etwas von Reiting gelöst hat, will dieser ihn "noch weiter demütigen und herunterdrücken" (163). Er denkt sich raffinierte Folterpraktiken aus und will sehen, "wie weit das geht" (163).
Von ihm stammt die Idee, Basini der Klasse auszuliefern.
1.4 Basini
1. Charakterisierung:
Basinis Verhalten und Wesen wird negativ beschrieben (70f.).
Er hat "weiche, träge Bewegungen und weibische Gesichtszüge", ist von geringem Verstand, brüstet sich mit erotischen Erlebnissen, die er wegen seiner "zurückgebliebenen Entwicklung" nicht hat, und lügt "aus Eitelkeit" (71).
Durch seinen Diebstahl gibt er den Anstoß zum Geschehen.
Einzige positive Eigenschaft: "eine Art kokette Liebenswürdigkeit" (70).
Empfindet Lust in der Erniedrigung und beugt sich seinen Peinigern ohne Selbstachtung und ohne den Willen, sich gegen sie aufzulehnen.
Basinis geistige Beschränktheit ist sicher ein Grund dafür, dass er seine Lage falsch einschätzt und nicht erkennt, dass er keine Chance gegenüber seinen sadistischen Mitschülern hat. Ein anderer Grund liegt in seiner sozialen Situation. Er ist zwar adliger Herkunft, aber seine Mutter ist Witwe und verfügt nur über wenig finanzielle Mittel. Würde seine Tat aufgedeckt werden, müsste er die Anstalt unehrenhaft verlassen und seine gesellschaftliche Stellung und berufliche Zukunftsaussichten wären in Frage gestellt.
Basini übernimmt stellvertretend die sexuelle Funktion von Bozena. Sie verfüht die Jungen des Konvikts, er liefert sicht ihnen willenlos aus. Sie ist Außenseiterin der Gesellschaft, Basini wird durch seinen Ausschluss von der Schule von der Gesellschaft ebenfalls zum Außenseiter gemacht
Soziale Situation innerhalb des Konvikts: Basini ist nicht angesehen, wird nicht ernst genommen, wird belächelt. Er ist ungeschickt und ängstlich, vor allem im Umgang mit Frauen. Sein Verhalten wird von den Kameraden durchschaut. Er ist isoliert und muss im Konvikt alleine zurechtkommen.
Fazit: Charakterliche Anlagen/Schwächen machen Basini zum idealen Opfer
2. Zitateliste:
"Die moralische Minderwertigkeit und seine Dummheit wuchsen auf einem Stamm." (71)
Lust in der Erniedrigung: Reiting:"Er wollte mir gehorsam sein, alles tun, was überhaupt ich wünsche [...]. Um diesen Preis bot er sich mir förmlich zum Sklaven an, und die Mischung von List und gieriger Angst [...] war widerwärtig" (62f.)
3. Beziehung zu Törleß:
Basini ist das Objekt, an dem Törleß seine Sinnlichkeit erfährt und sich selbst zu erkennen versucht. Nach dem sexuellen Kontakt mit ihm will Törleß ihn nicht quälen, sondern "nur zwingen, selbst die volle Wahrheit zu sagen" (141)
Basinis Verhalten und Wesen wird negativ beschrieben (70f.).
Er hat "weiche, träge Bewegungen und weibische Gesichtszüge", ist von geringem Verstand, brüstet sich mit erotischen Erlebnissen, die er wegen seiner "zurückgebliebenen Entwicklung" nicht hat, und lügt "aus Eitelkeit" (71).
Durch seinen Diebstahl gibt er den Anstoß zum Geschehen.
Einzige positive Eigenschaft: "eine Art kokette Liebenswürdigkeit" (70).
Empfindet Lust in der Erniedrigung und beugt sich seinen Peinigern ohne Selbstachtung und ohne den Willen, sich gegen sie aufzulehnen.
Basinis geistige Beschränktheit ist sicher ein Grund dafür, dass er seine Lage falsch einschätzt und nicht erkennt, dass er keine Chance gegenüber seinen sadistischen Mitschülern hat. Ein anderer Grund liegt in seiner sozialen Situation. Er ist zwar adliger Herkunft, aber seine Mutter ist Witwe und verfügt nur über wenig finanzielle Mittel. Würde seine Tat aufgedeckt werden, müsste er die Anstalt unehrenhaft verlassen und seine gesellschaftliche Stellung und berufliche Zukunftsaussichten wären in Frage gestellt.
Basini übernimmt stellvertretend die sexuelle Funktion von Bozena. Sie verfüht die Jungen des Konvikts, er liefert sicht ihnen willenlos aus. Sie ist Außenseiterin der Gesellschaft, Basini wird durch seinen Ausschluss von der Schule von der Gesellschaft ebenfalls zum Außenseiter gemacht
Soziale Situation innerhalb des Konvikts: Basini ist nicht angesehen, wird nicht ernst genommen, wird belächelt. Er ist ungeschickt und ängstlich, vor allem im Umgang mit Frauen. Sein Verhalten wird von den Kameraden durchschaut. Er ist isoliert und muss im Konvikt alleine zurechtkommen.
Fazit: Charakterliche Anlagen/Schwächen machen Basini zum idealen Opfer
2. Zitateliste:
"Die moralische Minderwertigkeit und seine Dummheit wuchsen auf einem Stamm." (71)
Lust in der Erniedrigung: Reiting:"Er wollte mir gehorsam sein, alles tun, was überhaupt ich wünsche [...]. Um diesen Preis bot er sich mir förmlich zum Sklaven an, und die Mischung von List und gieriger Angst [...] war widerwärtig" (62f.)
3. Beziehung zu Törleß:
Basini ist das Objekt, an dem Törleß seine Sinnlichkeit erfährt und sich selbst zu erkennen versucht. Nach dem sexuellen Kontakt mit ihm will Törleß ihn nicht quälen, sondern "nur zwingen, selbst die volle Wahrheit zu sagen" (141)
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